Wie sich feststellen lässt, ob die Miete fair ist

  • 5 Minuten Lesedauer
Autor: Christoph Wiemer
Position: Inhaber

Die Mietpreise in vielen Städten kennen seit Jahren nur eine Richtung, und zwar steil nach oben. Doch was macht eigentlich überhaupt eine Miete fair? Zwischen steigender Nachfrage, begrenztem Wohnraum und gesetzlichen Vorgaben verläuft die Grenze zwischen angemessen und überhöht nämlich oft fließend. Während Vermieter eine rentable Bewirtschaftung ihrer Immobilie anstreben, suchen Mieter nach bezahlbarem Wohnraum. Doch welche Faktoren bestimmen letztlich, ob eine Miete als gerecht gelten kann?

Was sind die rechtlichen Grundlagen der Mietpreisbewertung?

Die Frage nach der Fairness einer Miete lässt sich nicht nur aus subjektiver Sicht beantworten, sondern muss auch in den Kontext der geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen gestellt werden. In Deutschland regelt das Mietrecht, insbesondere das Bürgerliche Gesetzbuch, die Höhe der Miete. Hierbei ist vor allem § 558 BGB relevant, der die Mieterhöhung im bestehenden Mietverhältnis regelt und eine Mietpreisbremse vorschreibt. Diese Vorschrift soll verhindern, dass Mieten in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt unangemessen stark steigen.

Die Mietpreisbremse wurde 2015 eingeführt, um den Anstieg der Mietpreise in Städten mit einem angespannten Wohnungsmarkt zu bremsen. Sie begrenzt die Miete bei Neuvermietung auf maximal 10 Prozent über dem Mietspiegel der jeweiligen Region. Diese Regelung gilt jedoch nur für Gebiete, die von den Bundesländern als „angespannt“ definiert wurden. Es gibt allerdings auch Ausnahmen, etwa bei Neubauten oder umfangreichen Modernisierungen. Eine faire Miete im rechtlichen Sinn muss also stets im Einklang mit der Mietpreisbremse stehen, solange diese anwendbar ist.

Mietspiegel als Maßstab für faire Mieten?

Man kann sagen, dass es sich beim Mietspiegel um einen Kompass handelt, der uns hilft, die Höhe der Miete einzuordnen und gleichzeitig eine wertvolle Orientierung bietet, um die Angemessenheit der Mietpreise zu überprüfen. Er gibt eine Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete und stellt letztlich die Grundlage für viele rechtliche Bewertungen dar. Der Mietspiegel wird in der Regel von den Städten oder Gemeinden erstellt und spiegelt die durchschnittlichen Mieten für bestimmte Wohnlagen und Ausstattungsmerkmale wider. Dabei werden verschiedene Faktoren wie Lage, Größe, Baujahr und Ausstattung der Wohnung berücksichtigt. Er ist somit ein wichtiges Dokument für die Festlegung einer fairen Miete, da er sowohl Mieter als auch Vermieter dabei unterstützt, eine objektive Grundlage zu finden.

Ein Blick in den aktuellen Mietspiegel der betreffenden Stadt gibt Aufschluss darüber, ob die Miete im Einklang mit den ortsüblichen Werten steht. Besonders in Großstädten, wo die Mietpreise stark variieren können, ist der Mietspiegel mittlerweile ein unverzichtbares Hilfsmittel geworden. Sollte die Miete über den Durchschnittswerten liegen, muss geprüft werden, ob eine Ausnahme vorliegt (z. B. durch Modernisierungen oder Neubau).

Aktuelle Mietspiegel im Überblick (Stand 2024):

  • Münster: 12,75 Euro
  • Hamburg: 14,39 Euro
  • Köln: 14,65 Euro
  • Stuttgart: 15,67 Euro
  • Berlin: 15,97 Euro
  • Frankfurt am Main: 16,42 Euro
  • München: 21,81 Euro

Einflussfaktoren auf die Mietpreisbildung

Die Höhe der Miete wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Diese können sowohl objektiver als auch subjektiver Natur sein und hängen in erster Linie von der Lage, der Ausstattung und dem Zustand der Wohnung ab. Die geografische Lage einer Wohnung hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Mietpreishöhe. Wohnungen in beliebten Stadtvierteln oder mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sind in der Regel teurer als solche in weniger zentralen Lagen. Darüber hinaus spielen die Nähe zu Arbeitsplätzen, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten eine wichtige Rolle. Je größer und großzügiger eine Wohnung geschnitten ist, desto höher ist in der Regel auch der Mietpreis. Besonders Wohnungen mit vielen Zimmern und hochwertiger Ausstattung wie modernen Bädern, Einbauküchen oder Balkonen können die Miete in die Höhe treiben.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Mietpreisgestaltung ist der Zustand der Wohnung. Wurden kürzlich umfangreiche Modernisierungen oder Renovierungen durchgeführt, kann dies zu einer höheren Miete führen. Allerdings müssen diese Modernisierungen im Einklang mit den gesetzlichen Regelungen stehen, insbesondere wenn sie zu einer Mieterhöhung führen. Um festzustellen, ob die Miete fair ist, muss ein Vergleich der Wohnung mit ähnlichen Objekten in derselben Lage und mit ähnlicher Ausstattung erfolgen. Hier hilft eine Analyse der ortsüblichen Mieten im Mietspiegel und eine Recherche auf Immobilienplattformen.

Methoden zur Feststellung der Fairness der Miete

Die Feststellung der Fairness einer Miete ist kein rein theoretischer Prozess. Es gibt konkrete Methoden und Tools, mit denen Mieter und Vermieter die Angemessenheit der Miete prüfen können. Ein einfacher Weg, um herauszufinden, ob eine Miete fair ist, ist die Nutzung von fachspezifischen Online-Portalen. Diese bieten umfangreiche Suchfilter, mit denen Mieter ähnliche Wohnungen in der Umgebung finden und die Mieten vergleichen können. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass nicht jedes Angebot im Portal tatsächlich der Realität entspricht und es auch hier von Anbieter zu Anbieter Unterschiede geben kann.

Ein weiterer Ansatz besteht darin, den Preis pro Quadratmeter zu berechnen. Der Quadratmeterpreis variiert je nach Region und Objekt, doch innerhalb eines bestimmten Gebiets gibt es häufig eine große Preisspanne, die auf unterschiedliche Wohnqualitäten und Ausstattung zurückzuführen ist. Durch einen Vergleich des Quadratmeterpreises mit anderen Angeboten lässt sich relativ schnell feststellen, ob die Miete im üblichen Rahmen liegt. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, die Lebenshaltungskosten zu berechnen, um eine realistische Einschätzung der gesamten Wohnkosten im Verhältnis zum Einkommen zu erhalten. Nur so lässt sich ermitteln, ob die Miete langfristig tragbar ist.

Möglichkeiten zur Anpassung der Miete

Wenn sich herausstellt, dass die Miete überhöht ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Mieter und Vermieter miteinander verhandeln können. Sollte eine Miete nicht im Einklang mit den gesetzlichen Regelungen oder dem Mietspiegel stehen, können Mieter rechtliche Schritte in Erwägung ziehen, um die Miete zu mindern oder sogar anzufechten. In solchen Fällen ist es ratsam, juristischen Rat einzuholen und den Vermieter auf die rechtlichen Vorgaben hinzuweisen. Ein oft unterschätzter, aber möglicher Weg zur Anpassung der Miete ist jedoch das direkte Gespräch mit dem Vermieter. Möglicherweise lässt sich eine Lösung finden, die beide Parteien zufriedenstellt, insbesondere wenn die Mietpreise in der Region sinken oder das Objekt eine weniger gefragte Lage hat.

Die Frage, ob eine Miete fair ist, lässt sich nicht mit einer einfachen Antwort abtun. Es ist ein Zusammenspiel aus rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren, die in einer bestimmten Region oder Stadt zu einer bestimmten Miete führen. Ein genauer Blick auf den Mietspiegel, die rechtlichen Grundlagen und die konkreten Gegebenheiten vor Ort hilft, festzustellen, ob die Miete angemessen ist. Wer sich unsicher ist, sollte nicht zögern, rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen oder mit dem Vermieter ins Gespräch zu kommen. Letztlich hängt die Fairness der Miete von einer Vielzahl an Faktoren ab, die sich aus den individuellen Umständen der Wohnung und des Marktes ergeben.